Die Lichtyam®-Ernte - ein Interview mit Gärtnermeisterin Christine

Eine unterschätze Knolle

Christine ist seit 20 Jahren Gärtnermeisterin am Andreashof. Sie koordiniert den biodynamischen Anbau und die Ernte der Lichtwurzel – hier am Hof Lichtyam® genannt. Im Interview spricht sie über die herausfordernde Kultivierung der Pflanze und warum sie sich eine Ernährung ohne das Wurzelgemüse nicht mehr vorstellen kann.

Was für eine Pflanze ist die Lichtwurzel?

Der botanische Name der Lichtwurzel ist Dioscorea batatas. Sie gehört zu der Familie der Yamswurzelgewächse (Dioscoreaceae), von denen wir heute viele hundert Arten kennen. Ursprünglich kommt die Lichtyam® aus China. Die mehrjährige Kletterpflanze wurde dort vor Jahrtausenden entdeckt und ist bis heute in Asien und Afrika ein verbreitetes Nahrungsmittel.

Rein botanisch gesehen ist die Yamswurzel eine Knolle. Wir sagen aber Wurzel, weil sie wurzelähnlich aussieht. Dabei ist der Name Lichtwurzel eigentlich ein Fantasiename, der sich vor Jahren etabliert hat.
Wir gehen davon aus, dass die Lichtwurzel über ihre hochrankenden Blätter Lichtenergie aufnimmt. Über die Transportbahnen der Pflanze fließt diese Energie wiederum in die tiefwachsende Knolle. Dort wird sie gespeichert und über die Ernährung dann auf den Menschen übertragen.
Weil die Pflanze von Anfang an mit Licht in Verbindung gebracht wurde und den Begriff Yams hier zu Lande kaum jemand kannte, kamen wir auf die Namen Lichtwurzel bzw. Lichtyam®.

 

Wie kam es dazu, dass die Lichtwurzel am Andreashof angebaut wird?

Vor ungefähr 20 Jahren kam die Lichtwurzel durch Ralph Rößner zu uns. Er hat einen Platz gesucht, um die Knolle anzubauen und wir haben ihm diesen Platz gegeben. Damals waren wir noch ein Beet- und Balkonpflanzen Betrieb. Daraus wurde dann Stück für Stück der Lichtyam®-Anbau.
Jahr für Jahr haben wir uns mehr spezialisiert und unsere Anbau-Methoden optimiert – immer mit dem Gedanken, die Lichtyam® hier heimisch zu machen und unseren Mitbürgern als Nahrungspflanze zur Verfügung zu stellen.

Weil die Lichtyam® so zuträglich für den Menschen und die Ernährung ist, bildet sie heute den Dreh- und Angelpunkt unserer Arbeit am Andreashof.

 

Der Anbau der Lichtwurzel gilt als aufwändig und ist in Deutschland eine Seltenheit.
Warum trauen sich nur wenige Betriebe an die Kultivierung ran?

Die Lichtyam® kann bis zu zwei Meter lang werden. Das heißt, sie wächst tief in die Erde. Wenn sie im normalen Feldanbau kultiviert werden würde, müsste man bei der Ernte mit einem Minibagger über die Felder ziehen. Mindestens einen Meter graben wäre notwendig, um die empfindlichen Wurzeln wieder herauszuholen. Das geht bei uns in der Region jedoch nicht, weil unsere Böden sehr hart und steinig sind.

Deshalb sind wir auf Holzkisten umgestiegen, in denen die Pflanzen angebaut werden. Diese Kisten sind 150 cm hoch x 150 cm breit x 40 cm tief. Etwa 10 Pflanzen haben hier Platz. Daraus ergibt sich kein hoher Ertrag. Wir müssen in der Form schon eine Menge anbauen, um überhaupt eine gewisse Rentabilität zu erreichen. Hinzu kommt, dass der Prozess über mehrere Jahre geht, bis eine Lichtwurzel die richtige Größe erreicht hat.

Zu Beginn haben wir nur die langen Lichtwurzelranken. Die kann man sich wie einen Urwald aus Efeu vorstellen. Darin wachsen im ersten Jahr kleine Knöllchen heran. Diese werden geerntet und lagern über Winter im Erdkeller. Ähnlich wie bei Spargel, kommen sie im darauffolgenden Frühjahr auf das Feld. Hier reifen aus den Knöllchen Jährlinge heran, die auch schon Ranken bilden und deshalb ein Rankgerüst brauchen. Ende Oktober werden die Jährlinge geerntet und lagern einen zweiten Winter im Erdkeller. Im Frühjahr darauf kommt dieser Jährling dann in die Kiste, um zur großen Lichtyam® heranzuwachsen.

 

Die Anbauweise soll ausschlaggebend für die Qualität der Wurzeln sein und Ihre sind Demeter-zertifiziert.
Was machen Sie als biodynamischer Hof beim Anbau der Lichtwurzel anders?

Zum einen achten wir sehr auf die Qualität der Erde.
Die muss homogen und wasserdurchlässig sein. Sie darf nicht zu viele Steine enthalten und wird über Kompost regelmäßig mit neuen Nährstoffen versorgt. Darüber hinaus kommen bei uns biodynamische Präparate zum Einsatz. Diese besonderen Zubereitungen wirken wie eine Art Heilmittel, was Wachstum und Qualität der Pflanzen fördert und den Boden vitalisiert.
Mehrmals im Jahr präparieren wir unseren Kompost und vermischen die Lichtyam®-Erde mit Demeter-Präparaten. Besonders ist auch unser Komposttee. Wenn wir dann mal düngen wollen, verwenden wir keinen handelsüblichen Dünger, sondern machen Komposttee. Den stellen wir aus unserem eigenen Kompost her. Dadurch kommt nichts Zugekauftes zum Einsatz. Eine Ausnahme bildet nur der Pferdemist vom Demeter-Hof nebenan. Den holen wir bei Bedarf von unserem Nachbarn, da wir selbst keine Tiere auf dem Hof haben.

Bei der Schädlingsbekämpfung kommt ebenfalls nichts Giftiges zum Einsatz. Hier machen wir Schachtelhalmtee oder einfach einen Heilpflanzentee, wenn Pflanzen krank werden. Das reicht schon aus. Zum Glück hat die Lichtyam® kein Pilzproblem und generell wenig Schädlinge an der Pflanze. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird die Lichtwurzel seit Langem zur allgemeinen Stärkung verwendet.

 

Wann und wie wird die Lichtwurzel geerntet?

Wir arbeiten immer darauf hin, dass wir am ersten November mit der Ernte beginnen können. Davor wird die Ranke abgeschnitten. Das machen wir in der Regel Ende Oktober. So können wir den Wurzeln Nachruhezeit geben, bevor es richtig losgeht. Dann kommt die unromantische Arbeit. Alle Netze und Stangen werden abgebaut und unsere Radlader in Aktion gebracht.

Bei der Lichtwurzel-Ernte sind wir ein Team aus ungefähr 17 Leuten und zwei Personen arbeiten pro Kiste. Die Kisten werden systematisch geöffnet und alle Wurzeln in Handarbeit so verletzungsfrei wie möglich aus der Erde geholt. Sorgfalt ist jetzt wichtig, weil die Lichtwurzeln noch sehr zerbrechlich sind. Dann werden sie in selbst angefertigten Kisten ins Gewächshaus gebracht. Dort bleiben die Wurzeln für die kommenden zwei bis drei Wochen liegen, bis die Erde angetrocknet ist. Die Erde wird danach vorsichtig entfernt und die Lichtyam® kommt in den Erdkeller zur Lagerung. Vorher findet aber noch die Sortierung statt. Deshalb zieht sich die gesamte Lichtwurzel-Ernte oft bis in den Januar rein.

Bei der Sortierung wird entschieden, ob eine Wurzel schön und unverletzt ist. Dann geht sie als frische Lichtyam® in den Verkauf. Dieses Jahr haben wir viele schöne Lichtwurzeln ernten können, die wir frisch im Laden und Onlineshop anbieten.

Alle Wurzeln, die nicht den Kriterien entsprechen und zum Beispiel Bruch- oder Schnittstellen haben, kommen in die Weiterverarbeitung. Daraus stellen wir zum Beispiel unser beliebtes Lichtyam®-Pulver her.

Kann man die Wurzel gleich essen?

Man kann sie theoretisch sofort essen. Bei der Ernte naschen wir immer schon frische Lichtyam®. Wird die Wurzel allerdings zu früh angeschnitten, verfärbt sich ihre Schnittstelle. Es entsteht eine gelblich-braune Schicht. Das ist dann ein Zeichen dafür, dass die frische Lichtyam® noch zwei bis drei Wochen Lagerungszeit braucht. In dieser Nachruhezeit stabilisiert sie sich. Die Lichtwurzel ist dann nicht mehr brüchig wie Glas, sondern wird fester und ihr Wundverschluss bleibt wunderschön hell.

Selbst die Chinesen sind neidisch über die tolle Farbe, wenn sie die Lichtyam® mit dem schneeweißen Anschnitt begutachten. Auf der ersten BIOFACH Messe, auf der wir mit der Lichtyam® waren, hätten wir gleich 10 Tonnen nach China verkaufen können.

 

Wie wird Lichtwurzel zubereitet und was ist Ihr persönliches Lieblingsrezept? 

Die Lichtwurzel kann vielseitig in der Küche eingesetzt werden, weil sie geschmacksneutral ist. Man kann sie zum Beispiel in den letzten Minuten mit ins Gemüse schneiden, mit Gewürzen und Öl im Ofen machen, im Kuchen backen, in den Smoothie oder über den Salat geben. Auch auf dem Butterbrot schmeckt sie hervorragend.

Ein Lieblingsrezept mit Lichtwurzel habe ich persönlich allerdings nicht. Ich esse am liebsten einfach zwei, drei Scheibchen Lichtyam® roh, einfach mit etwas Kräutersalz und Orangenöl darauf. Es gibt aber auch viele Menschen, die den Schleim nicht mögen, den frische Lichtwurzel beim Schneiden abgibt. Die streuen sich dann das getrocknete Pulver über ihre Gerichte, da es ihnen gesundheitlich hilft.

Es ist generell interessant zu sehen, wofür unsere Kundinnen die Lichtyam® verwenden. Die einen nehmen sie zum Beispiel für den Magen, die anderen für ihr Immunsystem.

 

Apropos: In der TCM wird die Lichtwurzel ja auch als Heilpflanze eingesetzt. Bemerken Sie selbst eine positive Wirkung auf die Gesundheit, wenn Sie Lichtyam® zu sich nehmen?  

Ich hatte früher starke Verdauungsbeschwerden. Seitdem die Lichtwurzel in mein Leben getreten ist, kann ich persönlich sagen, dass sich spürbar etwas verändert hat. Ich konnte meinen Magen und den Darm so stabilisieren, dass ich heute kaum noch Probleme habe. Die frische Lichtyam® hat mir dabei am meisten geholfen. Bei manchen ist es aber umgekehrt. Am besten mal ausprobieren, was guttut.

Ich weiß inzwischen auch, welche Lebensmittel ich nicht essen sollte. Was ich hier festgestellt habe ist, dass diese Lebensmittel für mich verträglicher werden, wenn ich sie in Kombination mit Lichtyam® zu mir nehme.
Ich fühle mich außerdem fitter und nach schlaflosen Nächten trotzdem kaum müde. Für mich ist Lichtyam® ein echtes Lebenselixier und ich kann mir eine Ernährung ohne die Wurzel gar nicht mehr vorstellen.

 

 

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  • sehr guter Bericht über die Lichtyamwurzel

    Ich mag sie roh und in Scheiben geschnitten, habe sie auch schon selber in ca. 25 cm breite und 1m lange Plastikrohre gepflanzt, und an den Gartenzaun festgebunden damit die Ranken sich festhalten können. Sie schauen sehr schön aus und ich habe auch ca 40 cm lange Wurzeln geerntet. Ich muß aber auch sagen, dass wir auf 900 m liegen und ich baue meinen Garten meistens erst Mitte bis Ende Mai an, da wir oft noch Schnee haben und es noch sehr Kalt ist. Da freue ich mich schon auf eine Bestellung von Ihnen. Ich verwende die Wurzel auch im selbergemachten Suppengewürz: das ganze Suppengemüse ( Gelbe Rüben, Sellerie mit Kraut, Petersilienwurzel und Kraut, Pastinaken, Liebstöckel und natürlich Lichtyamwurzel )wird im Fleischwolf durchgedreht und mit Steinsalz haltbar gemacht in Gläser abgefüllt und so haben wir fürs ganze Jahr was g`sunds für Suppen und Soßen.

  • Danke!

    Vielen Dank für diesen anregenden und wichtigen Bericht! Hoffentlich lesen ihn viele....