Fruchtbare Böden - Lebensgrundlage für Mensch und Natur

Lebendiger Boden - ein unterschätzter Kohlenstoffspeicher

Gesunde Böden verlieren wir nicht nur immer schneller unter den Füßen, sondern auch aus den Augen. Dabei sind sie unsere Lebensgrundlage und ein wichtiger Faktor für den Klimaschutz. Wir haben mit Dr. Ulrich Hampl über die Bedeutung von Bodenfruchtbarkeit gesprochen. Im Interview nimmt uns der Bodenexperte mit in die unterirdische Welt. Er verrät Praxistipps für den eigenen Garten und erklärt, wie jeder einen Beitrag leisten kann.

 

Was ist Boden eigentlich?

Boden besteht aus mineralischen und organischen Teilen, aus Luft und Wasser. Je nachdem, wie gut diese vier Bereiche zusammenarbeiten, ist er mehr oder weniger fruchtbar.

Abhängig vom mineralischen Ausgangsgestein unterscheiden sich Böden in ihrer chemischen Zusammensetzung – so gibt es zum Beispiel kalkige oder saure Böden. Der organische Teil im Boden setzt sich aus lebendigen und toten Materialien zusammen. Dazu gehören die unterirdischen Organe der Pflanzen, mit ihren lebendigen und abgestorbenen Wurzeln, genauso wie herabfallende Pflanzenteile auf der Erdoberfläche. Diese werden wiederum von den Bodentieren eingearbeitet und bilden letztendlich als tote, organische Substanz den Humus. Bodentiere und Mikroorganismen können ebenfalls lebend und tot sein. Gewichtsmäßig machen Pilze und Bakterien den größten Teil der Bodenlebewesen im Erdreich aus.

Man kann sagen, der Boden ist das größte Lebewesen der Welt. Er ist ihre dünne und empfindliche Haut. In Mitteleuropa haben wir eine etwa 30 Zentimeter tiefe Bodenschicht. Daraus ziehen wir unsere Erträge. Im Vergleich zum Erddurchmesser ist sie winzig. Wenn wir einen Apfel mit der Erde vergleichen und überlegen, wie dick wohl die Bodenschicht ist? Dann ist es nicht die Haut des Apfels, sondern vielleicht der Staub darauf. Doch dieser Staub ist unsere Lebensgrundlage, ohne ihn gäbe es keine Existenz auf der Erde. Die dünne Haut ist deshalb so entscheidend, weil sie unglaublich vielfältig und belebt ist.

 

Wie viel Leben steckt in einer Handvoll Erde?

Schon in einem Esslöffel Boden stecken mehr Lebewesen, als es Menschen auf unserem Planeten gibt. Das sind viele Tonnen Bodenorganismen pro Hektar, die unterirdisch arbeiten. Wasserspeicherung, Nährstoffmobilisierung oder Luftverteilung sind wichtige Bodenfunktionen, die durch das Bodenleben aufrechterhalten werden.

 

Warum ist es als Landwirt wichtig, auch die Tiere unter dem Boden zu ernähren?

Das ist genau das, was ich in meinen praktischen Beratungen seit 36 Jahren versuche zu vermitteln. Es ist die zentrale Aufgabe für Bodenbewirtschafter, um Bodenfruchtbarkeit zu erhalten:

Jeder Bauer hat Tiere zu versorgen, selbst wenn er keine Tiere im Stall oder auf der Weide zu stehen hat. Es gibt unzählige Bodenlebewesen, die Futter brauchen. Damit der Boden lebendig bleibt, müssen sie funktionieren. Das ist aber nur durch Pflanzen möglich, die durch die Photosynthese Kohlenstoffketten aufbauen
und später Energie ins Erdreich abgeben. Wurzeln scheiden ständig Zuckerstoffe aus, die das Bodenleben direkt füttern. Bakterien, Pilze und viele andere Bodentiere leben von dieser Energiequelle. Selbst wir nehmen diese Energie dann wieder über die Verdauung auf und können dadurch arbeiten.

Bodenleben füttern bedeutet

  • Bodenfruchtbarkeit fördern
  • Die Lebensgrundlage des Menschen sichern
  • Das Klima schützen

 

 

Wie hängen Boden und Klima zusammen?

Der Boden ist nach den Ozeanen unser größter Kohlenstoffspeicher. Über die Photosynthese absorbieren Pflanzen CO₂ aus der Atmosphäre (gemeinsam mit Wasser und Sonnenlicht) und wandeln es in Zucker und Sauerstoff um. Daraus bilden sich dann Kohlenstoffketten und somit auch organische Substanzen, die in der Pflanze aufgebaut und über vielfältige Prozesse im Boden eingespeichert werden. Klima und Boden hängen deshalb so eng zusammen, weil eben Kohlenstoff aus der Luft über Pflanzen in den Boden gelangt, aus dem dann wiederum Humus und neue Pflanzen entstehen. Das ist ein Wechselspiel.

Durch die menschengemachten Klimaveränderungen und steigenden Temperaturen, müssen Böden heute sehr gut funktionieren, damit sie sowohl Dürren als auch Starkregen abpuffern können. Fällt wenig Regen, braucht es lebendigen Boden. Er muss eine Schwammstruktur haben, um die geringe Feuchtigkeit speichern und bei Bedarf abgeben zu können. Umgekehrt muss der Boden bei starken Regenfällen locker und luftig sein, damit er genug Wasser aufnimmt und nicht erodiert. Erosionen entstehen, wenn Wasser oberirdisch abläuft und den fruchtbaren Erdteil abträgt. Leider ist das heute in vielen Gebieten ein Problem.
Weltweit verlieren wir fruchtbare Böden 30-mal schneller, als sie sich bilden können. Gleichzeitig kann es ungefähr 2.000 Jahre dauern, bis auf natürliche Weise zehn Zentimeter Humus entstehen.

 

Die Lichtyam® wird am Andreashof biodynamisch angebaut. Sie wächst in humusreicher Erde und bringt Lichtenergie über ihr langes Wurzelwerk in den Boden. Inwieweit ist diese regenerative Anbauweise wichtig für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit?

Sie ist unglaublich wichtig, auch für die aktive Verbesserung des Bodens. Hier werden zum einen sehr effektive Pflanzen eingesetzt, die das Bodenleben fördern, zum anderen wird der Bodenaufbau mit Pflanzen unterstützt, die für gute Durchwurzelbarkeit sorgen und die ökologische Vielfalt erhalten.

Leguminosen und Schmetterlingsblütler sind beispielsweise in der Lage, aus der Bodenluft Stickstoff zu sammeln. In Symbiose mit Bakterien entstehen dadurch Stickstoff-Knöllchen in der Erde, die Pflanzen auf natürliche Weise düngen. Das gilt im Ökolandbau als die Hauptart der Stickstoffversorgung. Gräser, Kräuter und Wurzeln, die in Frischfruchtanbau, Untersaat oder Mischkulturen angebaut werden, nähren und schützen den Boden.

 

Wir nehmen den Boden zu unseren Füssen nicht bewusst war – er ist einfach da und wird oft als lebloses Material gesehen und auch so behandelt. Eines der wichtigsten Ziele des Projekts Sounding Soil ist es daher, die Prozesse und das Leben im Boden sinnlich erfahrbar zu machen und damit das öffentliche Bewusstsein für gesunde Böden zu stärken.

In den Aufnahmen von Sounding Soil sind Bodentiere wie Springschwänze, Milben, Hundertfüsser, Käfer, Asseln, Fliegenlarven, Regenwürmer, Spinnen, Heuschrecken und Zikaden zu hören. Die meisten Bodentiere machen Geräusche, wenn sie sich durch den Boden bewegen oder fressen. Einige nutzen den Boden aber auch, um miteinander zu kommunizieren. Zudem sind auch Tiere zu hören, die auf dem Boden leben und diesen als Kommunikationsmedium benutzen, indem sie Vibrationen erzeugen, die Artgenossen über die Beine oder den Körper wahrnehmen können.
www.soundingsoil.ch

Hohe Aktivität in bio-dynamisch bewirtschaftetem Boden
Kaum Aktivität in industriell bewirtschaftetem Kartoffelacker

 

Wie kann Boden als Lebensraum für jeden erlebbar werden?

Das ist nicht so einfach, weil fruchtbarer Boden in der Natur verborgen bleibt. Hier wird er vor allem durch Pflanzenbewuchs sichtbar. Menschen in der Landwirtschaft nehmen Boden wahr, weil sie ihn im Ackerbau öffnen. Das sind inzwischen aber weniger als 2 %. Damit Boden als Lebensraum für alle erlebbar wird, haben wir die Ausbildung zur Bodenbewirtschafterin und zum Bodenbewirtschafter aufgesetzt. Hier bilden wir Menschen aus, die über Boden reden und Bodenerlebnisse vermitteln.

Jeder von uns braucht im Jahr durchschnittlich 2.500 Quadratmeter Acker für seine Ernährung. Wer die Möglichkeit hat, kann diese Größe mal gemeinsam mit anderen Menschen abschreiten. Das ist eine interessante und einprägsame Erfahrung, durch die man ein Gefühl dafür bekommt, wie viel das tatsächlich ist

Sie können sich auch mal einen Quadratmeter Boden vornehmen und umgraben, im Garten oder im Wald zum Beispiel. Wenn Sie die Erde mit den Händen durchwühlen, ihre Struktur erfassen und vielleicht mit einer Lupe untersuchen, sind Sie plötzlich mittendrin in einer anderen Lebewelt. 

 

 

5 Praxistipps für den eigenen Garten

1. Vielfalt schaffen

Pflanzenvielfalt über der Erde bedeutet auch Biodiversität unter ihr. Für fruchtbaren Boden in der Landwirtschaft ist es wichtig, nicht nur Hauptkulturen anzubauen, von denen hohe Erträge zu erwarten sind, sondern auch Kulturen, die das Bodenleben füttern. Ähnlich sieht es im eigenen Garten aus. Halten Sie hier am besten die Fruchtfolge der Hauptkulturen ein. Das funktioniert zum Beispiel reihen- oder beetweise. Heimische Pflanzen und vielfältige Arten unterstützen ebenfalls die Bodenqualität, sorgen für Ausgleich und fördern Nützlinge.

2. Offene Böden vermeiden

Den Boden möglichst bedeckt halten, damit der Humusgehalt hoch bleibt. Wenn keine Pflanzen auf dem Boden wachsen, wird „die Batterie nicht geladen“. Vor allem über den Winter gehen dann viele Monate verloren, in denen Sonnenenergie eingespeichert werden kann. Es passiert viel in der Erde, wenn die richtigen Pflanzen angebaut werden. Wintergetreide ist ein gutes Beispiel dafür. Es durchwurzelt den Boden auch in der kalten Jahreszeit.

3. Schonend bearbeiten

Bodenbearbeitung hat direkten Einfluss auf die Bodenstruktur und den Wasserhaushalt. Sie wirkt auch unmittelbar auf die Bodenlebewesen. Überlegen Sie gut, ob graben notwendig ist. Es reicht meistens schon aus, den Boden in regelmäßigen Abständen oberflächlich und leicht aufzulockern, um Verdichtung und Verarmung vorzubeugen.

4. Mit Kompost düngen

Für den Erhalt der Bodenfruchtbarkeit ist es wichtig, dem Boden organische Restmasse zurückführen. Damit schließt sich der Kreislauf. Kompost spielt hier eine wichtige Rolle. Viele verschiedene Arten der Kompostierung gibt es. In der biodynamischen Landwirtschaft werden noch spezielle Präparate hinzugefügt.
Wenn Sie Kompost im eigenen Garten für den Humusaufbau einsetzen, achten Sie am besten darauf, dass er möglichst bodenähnlich ist. Frische Grünmasse wird oft zum Problem und führt schnell zu Fäulnis, weil sie in dieser Form nicht in der Natur vorkommt.

5. Bodenschutz durch Mulch

Mulch besteht aus abgestorbenen, organischen Materialien. Das können getrockneter Rasenschnitt, Laub oder Stroh sein. Mit einer Mulch-Schicht wird das Beet effektiv geschützt und ein intaktes Bodenleben unterstützt. Mulch hält die Erde feucht, ist wirksam gegen Unkraut, bewahrt vor Kälteschäden und starker Hitze. 

 

Wie kann ich im Alltag bewusster handeln, um den Boden zu schützen?

Alles, was ökologische Landwirtschaft unterstützt, schütz den Boden. Die größten Gefahren für Bodengesundheit sind die vielen synthetischen Stoffe, die heute im konventionellen Anbau eingesetzt werden. Das sind vor allem chemische Dünger und Pflanzenschutzmittel. Schädlich sind auch enge Fruchtfolgen und Monokulturen.

So können wir alle einen Beitrag leisten:

  • Zum Bio-Regal greifen
  • Im Biomarkt oder Hofladen direkt einkaufen
  • Kleine Produktionen und Manufakturen unterstützen
  • Regionale Produkte bevorzugen
  • Augen aufhalten bei Greenwashing (Labels checken, wie transparent sind Produktion und Inhaltsstoffe? Wo sitzt der Hersteller?)
  • Bodenpatenschaft eingehen

Wer kommunalpolitisch mehr tun möchte, hört sich am besten in seinem Dorf oder Stadtteil um. Möglichkeiten gibt es überall, um dem Boden mehr Wertschätzung zu schenken und für Vielfalt zu sorgen.

 

 

 

 

Was ist die Bodenpatenschaft und wie setze ich mich ein?

Mit der Bodenpatenschaft unterstützen Sie Partnerhöfe des Bodenfruchtbarkeitsfonds direkt und können die Bodenfläche fördern, die im Jahr durchschnittlich für Ihre Ernährung beansprucht wird. Mitglieder sind anerkannte Demeter-Höfe, Bio-Betriebe und Höfe, die sich in Umstellung auf Demeter oder Bio befinden. Im Auftrag der Initiative werden konkrete Maßnahmen am Boden durchgeführt. Unternehmen haben außerdem die Möglichkeit, ihre CO₂-Bilanz zu kompensieren. Dies geschieht durch den zusätzlichen Humusaufbau auf den Partnerhöfen.

Bodenfruchtbarkeit auf möglichst vielen Flächen dauerhaft erhalten und verbessern, das ist das Ziel des Bodenfruchtbarkeitsfonds. Dazu gehört auch, weitläufig Verantwortungsbewusstsein in der Gesellschaft zu schaffen. Mit dem Schutz der Böden sichern wir unsere Lebensgrundlage und können sie in einem gesunden Zustand an nachfolgende Generationen weitergegeben.

Mehr zur Bodenpatenschaft >

Bilder: Bodenfruchtbarkeitsfonds, Sippakorn Yamkasikorn, Sandie Clarke, Jonathan Kemper, Aleksandra Boguslawska

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