SoLaWi: Ein zukunftsfähiges Modell für nachhaltige Lebensmittelversorgung


Solidarische Landwirtschaft, kurz SoLaWi, ist die Antwort auf viele Herausforderungen konventioneller Betriebe. Eine Gruppe von Menschen schließt sich mit einem Anbaubetrieb zusammen. Gemeinsam übernehmen sie die Kosten für einen Betrieb und teilen die Ernte. Das Besondere: SoLaWi geht über den reinen Austausch von nachhaltigen Lebensmitteln hinaus. Mitglieder sind Teilhaber und können aktiv mitgestalten.

Übersicht


Grundprinzipien einer Solidarischen Landwirtschaft

Solidarische Landwirtschaft ist in den USA als Community Supported Agriculture (CSA) bekannt und beschreibt ein wiederentdecktes Modell für nachhaltige Lebensmittelproduktion und Lebensmittelverteilung. VerbraucherInnen schließen sich zu einer Gemeinschaft zusammen, um einen landwirtschaftlichen Betrieb finanziell zu unterstützen. Die Produktion wird mitgetragen. Im Gegenzug erhalten Mitglieder frische, saisonale Lebensmittel direkt vom Hof.

Landwirtschaft anders machen

Der Ursprung der solidarischen Landwirtschaft liegt in den 1960er Jahren in Japan. SoLaWi entstand aus der Teikei-Bewegung heraus. Teikei wird grob als partnerschaftlicher Handel übersetzt und richtet sich gegen die negativen Auswirkungen von konventionellen Landwirtschaftspraktiken.
Im Fokus stehen der Schutz von Umwelt und Gesundheit, Selbstbestimmung in der Nahrungsmittelproduktion und wirklich nachhaltige Wirtschaftsweisen.

Die 8 solidarischen Prinzipien einer SoLaWi

  • Gemeinschaft: Mitglieder der Solidarischen Landwirtschaft teilen sowohl die Verantwortung und Kosten für einen landwirtschaftlichen Betrieb als auch seine vielfältigen Erzeugnisse. Sie tragen gemeinsam Risiken und profitieren von der gesunden Nahrungsfülle und lebendigen Interessengemeinde.
  • Transparenz: Jahresbudgets, Rücklagen, Lohnansätze und Investitionen werden gegenüber der Gemeinschaft offengelegt. Das gilt auch für verwendete Betriebsmittel, Zukäufe oder Anbaumethoden.
  • Mitspracherecht: Die Einbindung der VerbraucherInnen ist ein wichtiges Prinzip der Solidarischen Landwirtschaft. Mitglieder haben die Möglichkeit alles über Anbauweisen, Saatgut oder Ressourcennutzung zu erfahren. Sie können Wünsche äußern und die Anbauplanung sogar mitgestalten.
  • Direkte Verbindungen: Zwischen Produzenten und VerbraucherInnen entstehen direkte Beziehungen. Wer möchte, erlebt den landwirtschaftlichen Prozess hautnah, besucht den Hof, kann mit „ackern“ und einen persönlichen Kontakt zu Mitwirkenden aufbauen.
  • Nachhaltigkeit: Ein zentraler Ansatz jeder SoLaWi ist die zukunftsfähige landwirtschaftliche Praxis. Der Fokus liegt auf ressourcenschonenden, umweltfreundlichen Methoden. Schädliche Pflanzenschutzmittel oder künstliche Dünger kommen nicht zum Einsatz. Biodiversität und Bodenfruchtbarkeit wird erhalten und gefördert. Die Unterstützung der lokalen Landwirtschaft reduziert den Transportaufwand, auch Verpackungsmüll, enorme Lebensmittelverschwendung und lange Kühlketten fallen weg.
  • Fairness: Die solidarische Landwirtschaft fördert den fairen Handel zwischen ErzeugerInnen und VerbraucherInnen. Die Mitgliedbeiträge sind transparent festgelegt. Damit wird Produzenten eine Einkommensgrundlage gesichert und der Gemeinschaft Zugang zu hochwertigen und frischen Nahrungsmitteln ermöglicht.
  • Vertrauen: Ernte teilen ist Vertrauenssache. Mitglieder machen sich gemeinsam für die Agrarwende stark. Sie unterstützen sich gegenseitig, teilen Verantwortung und wollen zum Erfolg einer SoLaWi beitragen.
  • Selbstbestimmung: Unter dem Druck der staatlich geförderten industriellen Landwirtschaft brechen kleine Betriebe häufig zusammen. Viele Bauern und Bäuerinnen müssen Kompromisse eingehen, um rentabel zu bleiben. Das solidarische Modell bietet eine zukunftsfähige Lösung. LandwirtInnen bekommen wieder Handlungsspielraum, den es für die ökologische Bewirtschaftung auf dem Feld braucht.
Solidarische Landwirschaft in Überlingen am Bodensee - Andreashof

Gemeinsam wachsen: So funktioniert Solidarische Landwirtschaft

Solidarische Landwirtschaft zielt in erster Linie darauf ab, die nachhaltige Lebensmittelversorgung für alle zu gewährleisten. Sie folgt einer überschaubaren Kreislaufwirtschaft und ist nicht auf Gewinnmaximierung ausgerichtet.

Ein Blick in die Organisation von SoLaWis weltweit zeigt, jede Community macht es etwas anders und wirtschaftet doch nach den gleichen Prinzipien.

Mitgliedsbeiträge: In der Regel zahlen Mitglieder Beiträge im Voraus, damit sie für Saatgut, Landmaschinen, Betriebsmittel oder Lohnkosten von LandwirtInnen zur Verfügung stehen. Durch diese finanzielle Unterstützung wird die Planung der kommenden Anbausaison erleichtert. Beiträge können monatlich, quartalsweise oder jährlich erhoben werden. Die Höhe hängt vor allem von der Größe einer SoLaWi ab.

Kosten setzen sich zum Beispiel zusammen durch:
  • die Anzahl der Mitglieder
  • Bedürfnisse/Wünsche
  • geplante Anbauflächen
  • Methoden
  • Standort
Innerhalb der Gemeinschaft wird solidarisch abgestimmt, wie sich jeder finanziell beteiligen kann. Zudem sollen verschiedene Abo-Modelle für Gemüsekisten allen Menschen den Zugang zu gesunden Lebensmitteln erleichtern.
Ernteanteile: Mitglieder erhalten regelmäßig – meist wöchentlich – frische, saisonale und regionale Lebensmittel. Von Obst, Gemüse, Kräutern bis hin zu Milchprodukten, Eiern, Brot oder Fleisch, kann alles dabei sein. Meist wird die Ernte nach einem festgelegten Verteilungsschlüssel herausgegeben. Je nach Größe eines Abos kann der variieren. Selbstbedienung ist in vielen Betrieben angesagt und immer mehr SoLaWi Höfe achten auf vielfältige vegane Angebote.

Vorteile der solidarischen Landwirtschaft

  • Marktunabhängigkeit: Mitglieder erhalten gesunde Lebensmittel aus erster Hand. Da die Ernte direkt vom Hof kommt, ist die Qualität höher als bei industrieller Massenproduktion. Da alle Zwischenhändler und Transportwege wegfallen, wird die bestmögliche Frische der Produkte erreicht. Viele SoLaWi Höfe bauen biodynamisch an und sind Demeter zertifiziert. Die Preisgestaltung ist fair und transparent gehalten, der Kostenaufwand für die Vermarktung fällt weg.
  • Gemeinschaft und soziale Verbindungen: Solidarische Landwirtschaft fördert den Aufbau einer starken, lebendigen Gemeinschaft. Frisches Gemüse wird vielen Menschen in der Region zugänglich. Mitglieder geben sich gegenseitig eine Lebensgrundlage, die im Einklang mit der Umwelt stattfindet, können sich untereinander vernetzen, gemeinsam gärtnern und Erfahrungen austauschen – vom Samenkorn bis zum fertigen Mittagessen im Hofcafé.
  • Bewusstsein: Durch die direkte Beteiligung am Anbauprozess entwickeln alle ein bewussteres Verhältnis zu ihrer Ernährung. Kinder lernen von Anfang an Zusammenhänge verstehen und können Nahrungsmittel anders wertschätzen. Saisonales Kochen gestaltet sich einfacher und Essgewohnheiten werden intuitiv an den Rhythmus des Jahres angepasst.
  • Entwicklung: Mitgliedsbeiträge kommen den ErzeugerInnen direkt zugute und tragen zur regionalen Entwicklung bei. Gleichzeitig kann die Gemeinschaft am vielfältigen Leben eines Natur- und Kulturparadieses teilhaben und gesund wachsen. Tipps und Tricks für den eigenen Garten werden ausgetauscht, Rezepte nachgekocht oder Veranstaltungen besucht.
  • Ökologischer Impact: Durch die ökologisch bewirtschafteten Flächen wird heimischen Tier- und Pflanzenarten ein Rückzugsort geboten. SoLaWi wirkt dem Artensterben entgegen. Hinzukommt der niedrige Energieaufwand und geringe Ausstoß von Treibhausgasen. Umweltschonende Anbaumethoden, kurze Transportwege ohne Verpackungsmüll, keine langen Kühlketten und keine Lebensmittelverschwendung machen die Solidarische Landwirtschaft zu einem vielversprechenden Modell für eine lebenswerte Zukunft.

SoLaWi in der Praxis

Laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft wünscht sich die große Mehrheit der Bevölkerung eine Ernährungswende. Zwei Drittel bevorzugen umweltschonende Anbaumethoden, artgerechte Tierhaltung und faire Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig stehen alternative Modelle, insbesondere in der Anfangsphase, vor vielen Herausforderungen.

Hindernisse und gute Aussichten

Ein neues SoLaWi-Projekt braucht gute Planung, aktive Beteiligung von Menschen, Zeit und offene Kommunikation bei der Entscheidungsfindung. Der Austausch mit erfahrenen Gärtnern und Gärtnerinnen ist besonders wertvoll, genauso wie die Vernetzung mit Mitgliedern von anderen, bereits etablierten Genossenschaften. Schulungen, Workshops, Vorträge oder allgemeine Info-Veranstaltungen fördern Bewusstsein und Weiterbildung – für VerbraucherInnen und LandwirtInnen. Über Partnerschaften mit mehreren landwirtschaftlichen Betrieben, Organisationen und lokalen Gemeinden kann eine unterstützende Umgebung geschaffen werden.

Der Blick in die Zahlen motiviert: 2009 gab es in Deutschland erst elf Betriebe, die den innovativen Weg der Solidarischen Landwirtschaft für sich entdeckten. Laut Schätzungen ist die Zahl inzwischen auf rund 500 SoLaWi Höfe gewachsen – Tendenz steigend. Die ersten Langzeiterfahrungen fließen jetzt in Neugründungen mit ein.

Zum Mitmachen bewegt werden wir vor allem durch den Genuss von frischen Lebensmitteln und durch die Rückkehr zum Ursprünglichen. Das heißt mal wieder mit den Händen arbeiten können, einen Garten gemeinsam bewirtschaften, unabhängiger sein von der Industrie, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und neue Anregungen für das eigene Leben mitnehmen.

TIPP: Zur Zeit tourt sogar ein Film durch deutsche Kinos, der sich der solidarischen Landwirtschaft ausführlich widmet: Ernte teilen

SoLaWi in Überlingen am Bodensee - Andreashof

Wer kann mitmachen?

Wirklich jeder kann mitmachen. Ein Pluspunkt ist das Interesse an Landwirtschaft, Natur und gemeinsamer Arbeit im Freien. SoLaWis sind in der Regel um einen Hof organisiert und versorgen mehrere Abholstellen in der Woche mit Gemüsekisten. Zudem gibt es Mitarbeitertage. Interessierte Menschen und arbeitswütige, helfende Hände sind herzlich willkommen. Sie möchten Teil werden?

Solidarische Landwirtschaft in der Nähe finden

Eine Solidarische Landwirtschaft in der Nähe finden Sie zum Beispiel über die Karte des SoLaWi Netzwerks oder der Initiative Ernte teilen. Dort können Sie sich schnell einen Überblick verschaffen. Geben Sie einfach über das Suchfeld Ihre Stadt und Postleihzahl ein. SoLaWis außerhalb Deutschlands sind hier aufgelistet.

Weitere Wege zur SoLaWi in der Nähe:
  • Auf dem Wochenmarkt nachfragen
  • Gesuchs-Anzeigen in Verbandszeitschriften anschauen
  • Broschüren/Gemeindezeitschriften der Region durchblättern
  • Inserate auf hochsuchtbauer.de finden
  • In die Initiativen-Liste der Solawi-Netzwerkseite eintragen
  • Einen Solawi-Rundbrief starten
Mehr über die SoLaWi Andreashof erfahren

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